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Die unbequeme Wahrheit über AI und unsere Jobs

Am Dienstag Abend stand ich beim Spotlight des Verbands Arbeitgeber Banken auf der Bühne und habe über etwas gesprochen, worüber im Moment viele lieber nicht laut nachdenken: die unbequeme Wahrheit über KI und Workforce Transformation.

Auf dem Heimweg ist mir aufgefallen, wie zwiespältig ich selbst gerade durch diese Zeit gehe.

Als Unternehmerin entdecke ich gerade so viele neue Türen mit unbekannten Chancen dahinter, wie ich sie in vielen Jahren Startup-Leben noch nicht gesehen habe. Geschäftsmodelle, die vor zwei Jahren undenkbar waren. Kleine Teams, die plötzlich Dinge schaffen, für die früher eine ganze Abteilung nötig war. Eine Geschwindigkeit, die berauscht, wenn man auf der richtigen Seite der Entwicklung steht.

Und gleichzeitig sehe ich bei meiner Arbeit bei ISA immer wieder die Sorge in den Augen von unglaublich talentierten und hochqualifizierten Professionals. Was macht KI mit meinem Job? Mit meiner Karriere? Vielleicht sogar mit der Zukunft meiner Kinder? Das sind keine theoretischen Fragen. Das sind Fragen, die abends in der Familie oder im Freundeskreis gestellt werden, oft mit einem Schulterzucken und ohne Antwort.

Diese beiden Wahrheiten und Welten existieren nebeneinander, und ich glaube, wir kommen nicht weiter, wenn wir nur eine davon zulassen.

Genau aus diesem Grund haben wir in der letzten Woche beim Innovationsverband Schweizer Arbeitsmarkt (ISA) drei Ausgaben unserer Swiss Career Circles veranstaltet. In Zürich, in Basel und online. Über 250 Professionals waren dabei. Ingenieurinnen mitten in der Neuerfindung. HR Verantwortliche, die ihre Rollenarchitekturen umschreiben. Gründerinnen, die für Positionen rekrutieren, die es vor achtzehn Monaten noch nicht gab. Wiedereinsteiger, Quereinsteigerinnen, AI-Skeptiker, Optimistinnen. Alle mit derselben Frage: Wie wird meine Arbeit und der Zugang dazu in drei Jahren tatsächlich aussehen.

Vier Dinge nehme ich aus dieser intensiven (und etwas verrückten) Woche mit:

Erstens. Das Schweizer Paradox wird schärfer. Eine der (angeblich) tiefsten Arbeitslosenquoten Europas und gleichzeitig Arbeitgeber:innen, die ihre offenen Stellen nicht besetzen können. Das ist nicht nur Widerspruch, sondern vor allem auch ein Vermittlungsproblem. Die Menschen sind da, sehr viele wollen. Das Matching ist kaputt.

Zweitens. Human-AI-Kollaboration ist kein Panel-Thema mehr, sondern wird Teil von Stellenbeschreibungen. Die Gewinner:innen werden nicht jene sein, die am schnellsten prompten. Erfolgreich sind bereits jetzt jene, die verstehen, was AI und Applied Technology aktuell schon möglich macht, die aber auch entscheiden können, welche Urteile menschlich bleiben müssen, welche delegierbar sind und wer am Ende für das Ergebnis geradesteht. Das ist ein Handwerk. Man kann es lernen. Es wird nur noch kaum systematisch unterrichtet.

Drittens. Weiterbildung wird falsch verkauft. Die meisten „KI für XY" Kurse vermitteln "nur" Wissen und entlassen Menschen wieder in genau denselben Job, einfach etwas schneller, oft mit einem CAS-Zertifikat in der Hand. Den eigentlichen Hebel haben aber jene, die verstehen, wie man Arbeit, Workflows und Aufgaben neu konkrekt umbaut und mit KI zusammenarbeitet. Ein schönes Kompliment aus den Circles war: „Wir alle experimentieren gerade. Aber niemand sagt uns, wie Erfolg (oder der Weg dahin) in dieser neuen Berufswelt eigentlich aussieht. Bei ISA habe ich zum ersten Mal eine ehrliche Antwort darauf bekommen."

Viertens. Netzwerk ist in der Schweiz das am stärksten unterschätzte Kapital. Unser Arbeitsmarkt ist klein, dicht, mehrsprachig und beziehungsorientiert. Ein Kaffee am Dienstag in Zürich, ein Gespräch am Donnerstag in Basel, eine Vorstellung am Freitag über Zoom. Das ist der eigentliche Recruiting-Trichter. LinkedIn ist nur die Lobby. Entschieden wird gerade oft im verdeckten und informellen Arbeitsmarkt.

Und etwas Persönliches dazu. Ich habe ISA mitgegründet, weil ich es leid war zuzusehen, wie talentierten Menschen in diesem Land erzählt wird, die Antwort auf ein strukturelles Problem sei ein besserer Lebenslauf. Das ist sie nicht. Die Antwort ist Infrastruktur. Orte zum Begegnen. Moderne und innovative Rahmen zum Lernen und Upskilling. Arbeitgeber:innen, die ehrlich sagen, was sie wirklich brauchen und ihrerseits Verantwortung für Employability, gerne über ihre eigenen Bedürfnisse hinaus, übernehmen. Und eine Community, die berufliche Veränderung als normal behandelt und nicht als Beichte.

Merci. Den Banken, dem Arbeitgeberverband Banken und dem Publikum von Dienstag für den offenen Austausch und das Interesse. Den Teilnehmenden in Zürich, Basel und online danke ich für eure Ehrlichkeit. Den Speaker:innen und Partnerinnen, die diese Räume getragen haben: ihr habt sie zu dem gemacht, was sie waren und sind.

Die nächsten Swiss Career Circles sind bereits in Planung. Gerne wollen wir wieder neue Türen öffnen. Wer dabei sein möchte: meldet euch gerne bei mir oder bei ISA.

Es sind aussergewöhnliche Zeiten und es braucht nun aussergewöhnliche Menschen, die diesen Wandel mutig mitgestalten.

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